Spontanzusammenschluß
Mobilität für Behinderte


Infobrief Juli 2013 www.spontis-berlin.de


Liebe Freundinnen und Freunde des Spontanzusammenschluß!

Auch dieses mal waren wir eine recht große Gruppe. Das zeigt, wie wichtig unsere
Themen immer noch sind. Auch der Austausch untereinander ist wichtig und sollte nicht
vergessen werden, wenn einmal keiner von uns da sein sollte. Wir sind natürlich bemüht,
immer zu kommen.
Zum großen Kummer von Karin ist Christian ins Krankenhaus gekommen, weil er Anfälle
hatte. Wir wünschen den beiden, dass Christian gut eingestellt werden kann und es so
ihm und Karin wieder gut geht.
Diesmal gab es viele Fragen zur Technik.
Der Badewannenlifter, der mit Wasser betrieben wurde, wird nicht mehr hergestellt. Das
Wasser, das sich nach Gebrauch in den Schläuchen sammelte und somit in den
Schläuchen stand, konnte durch Bakterien verunreinigt werden. Wenn dann erneut
gebadet wurde, ist ein Teil des alten Wassers, das sich noch indem Schläuchen befand,
mit dem neuen Wasser in Kontakt gekommen. Damit kam dann auch der Mensch, der
badete mit den im Wasser befindlichen Bakterien in Kontakt. Diese Bakterien sind für
Menschen sehr schädlich, deshalb werden nun diese Badewannenlifter nicht mehr
hergestellt.
Die neuen Lifter sind nicht so gut, wie die alten. Ich kann euch nur einen Rat geben,
beschwert euch bei der Firma, von der ihr den Lifter habt, oder schreibt direkt an den Hersteller.
Die Frage, ob ihr mit euren jetzigen Rollstühlen auch weiter befördert werdet, kann ich nur
bejahen. Wenn ihr al erdings einen neuen Rollstuhl bekommen sollt, fragt nach, ob dieser
auch crash getestet ist. Rollstühle von Sopur oder Permobil sind crash getestet. Wenn ihr
einen Rollstuhl habt, der diesen Normen gerecht wird, seid ihr auf der sicheren Seite. Sie
haben auch Vorrichtungen, zum Festmachen der Gurte. Deshalb haben diese Rollstühle
von den eben genannten Firmen keinen Kraftknoten. Der Kraftknoten ist hier auch nicht
notwendig.
Die technische Diskussion, wie die Rollstühle und Autos sein müssen, ist noch in vollem
Gange. Für uns heißt das, dass wir mit unseren Rollstühlen auch weiterhin befördert
werden. Wir müssen allerdings wachsam sein, damit wir noch rechtzeitig in den
Diskussionsprozess eingreifen können.


Wir werden alle älter und brauchen deshalb auch altersgerechte Hilfsmittel bzw.
Gegenstände im Alltag. So tauchte die Frage nach einem Handy auf, das man auch bei
schlechter Sehkraft bedienen kann. Unser Vorschlag ist folgender: geht zu den
Geschäften, die technische Geräte verkaufen und lasst euch dort beraten. Für mich hat
sich herausgestellt, dass z. B. Conrad sehr gut ist.
Einige Bemerkungen zum Sonderfahrdienst:
Das Geld, dass für den Sonderfahrdienst genehmigt wurde, wird nicht mehr, aber die
Ausgaben, die davon getätigt werden müssen haben sich erhöht. Die Unternehmer, die
uns befördern, müssen nun den Mindestlohn an ihre Fahrer weitergeben. Für uns heißt
dies, dass die Anzahl der Fahrten geringer wird, wir also weniger fahren können.
Von dem Geld müssen die Unternehmer alles bezahlen: Löhne, Versicherung usw..
Jeder, der ein Taxikonto beim Sonderfahrdienst hat muss einen Eigenbeitrag von 20
bzw. 40 Euro leisten. Von den 150, die er/sie einmal bekommen hat, bekommt er/sie im
Höchstfall 110 zurück.
Ja, man kann mit dem Sonderfahrdienst zum Flughafen Schönefeld fahren. Die erste
Fahrt für einen Flug kann man ab 5 Uhr morgens buchen.
Elfi Haugk berichtete, dass sie Karten für Euro Young Classik schon vor Beginn kaufen
wollte. Man sagte ihr, dass die Rollstuhlplätze schon ausverkauft seien.
Im Rahmen des Konzertsommers in Berlin (Vom 14.07. bis 15.09. 2013) gibt es im
Tiergarten im Teehaus jeden Sonntag ein kostenloses Konzert. Um 13 Uhr gibt es
klassische Musik und von 16 Uhr bis 19 Uhr Jazz, Swing Reggae usw.
Das war es für diesmal. Das nächste Plenum ist am 08. August 2013
Wer von den Briefempfänger inzwischen eine E-mail-Adresse hat, kann mir
diese mitteilen, es spart ja doch Zeit und Geld.
Das nächste Plenum findet wie immer am 2. Donnerstag
des Monats statt:
am 8. August 2013, von 17.00 Uhr bis ca. 19.30 Uhr,
Im Nachbarschaftshaus Prinzenallee - Café Esscapade - (im Hof)
Prinzenallee 58, Berlin-Wedding.

Hoffentlich können wir wieder draußen sitzen.
Viele Grüße von den Spontis
Diesmal schrieb Beate Ender das Info.



Außerhalb des Plenums wurde mitgeteilt, dass Helmut Hecke verstorben ist,
ein langjähriges Mitglied der Spontis aus den Anfangszeiten, der viel bewegt hatte. Wir
werden ihn in Erinnerung behalten.



Nach dem Plenum landeten per E-mail bei mir (Anita Borrusch) noch folgende sehr
wichtige Beiträge, die ich als Zitate unverändert hier weitergebe.

Von Bärbel Reichelt:

Liebe Spontis, liebe Freunde der Mobilität,
Es wurden 20.000 Fahrten weniger vom Sozial-Senat ausgeschrieben, da die Kostensteigerungen
beim Fahrdienst mit dem gleichen Budget wie bisher (seit x Jahren immer 7,2 Mio. für den
gesamten SFD) aufgefangen werden müssen und neue, zusätzliche Leistungen (reine Treppenhilfe
und Bonus-Zahlungen für die Fahrer bei Einbindungen) ab 1.7.2013 angeboten werden. Es werden
ab 1.7.13 zudem Mindestlöhne i.H. von 8,50 / Stunde an die Fahrer gezahlt, die auch aus diesem
Etat kommen müssen, denn die Fuhrunternehmer wälzen jegliche Mehrkosten auf diesen ab.

20.000 Fahrten im Jahr, das sind ca. 54 Fahrten täglich weniger, die wir machen können! Es
werden immer mehr Fahrtwünsche abgelehnt werden!
Al eine schon inflationsbedingt und durch die stetig steigenden Spritpreise geben die 7,2 Mio. für
den SFD immer weniger her. Und nun noch das erweiterte Angebot und die Mindestlöhne...! Da
bleiben wirklich immer weniger Fahrten für uns übrig!

Wir sollten dringend dem Finanzsenator und den Abgeordneten al er Parteien klar machen,
dass im folgenden Doppelhaushalt 2014/15 mindestens 1 Mil iönchen mehr für unseren Fahrdienst
bereitgestellt werden muss! Anderenfalls ist unsere Teilhabe deutlich und unzumutbar
eingeschränkt!

Am 19. August und am 16. September 2013 wird im Abgeordnetenhaus die 1. und 2.
Sitzung des Fachausschusses Gesundheit und Soziales zum Haushaltsplanentwurf 2014/15
stattfinden. Die Sitzungen sind öffentlich, aber man sollte sich vorher anmelden.

Rollt und geht hin, schreibt Briefe, Mails, Proteste, macht mobil für unseren Fahrdienst!
Unsere Mobilität ist DAS ureigenste Thema des Spontanzusammenschlusses! Aber sagt es auch
anderen Gruppen und Vereinen, Initiativen und Selbsthilfen! Einst kämpften wir für den Telebus ­
jetzt geht es um den SFD. Die Kürzungen heute sind subtiler, verschleierter, als vor 26 Jahren ­ aber
genauso gravierend!
Das wollte ich unbedingt gesagt haben.
Es grüßt Euch alle Bärbel






Ein Brief von Uschi Lehmann in Sachen Sonderfahrdienst zur Kenntnisnahme:
URSULA LEHMANN Obstallee 15 | 13593 Berlin
030-363 50 98 | 030-8733 2018
ursula.freedom@online.de
Herrn Dr.
Wolfgang Albers /MdA
Niederkirchner Straße 5

Den 25. Juli 2013
10111 Berlin

SONDERFAHRDIENST für Behinderte im Land Berlin
Guten Tag, sehr geehrter Herr Dr. Albers,
dem Sozialausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses ist bekannt, dass der
steuerfinanzierte Sonderfahrdienst (SFD) in den vergangenen Jahren immer wieder
in die negativen Schlagzeilen geraten ist. Dies hatte ich zum Anlass genommen, im
Jahr 2006 über das Schwarzbuch des BdSt öffentlich zu machen.

Nach dem europaweiten Vergabeverfahren ist ab 01.07.13 zu Gunsten des alten
Betreibers WBT entschieden worden. Ohne Aufstockung des Etats sieht der neue
Vertrag einen Mindestlohn für die Fahrer und Beifahrer vor - und das ist auch
gut so!

Bei diesem sozial getarnten Sonderfahrdienst ist es nicht ein zu sehen, dass die
Mehrkosten nicht von den Subunternehmern getragen werden müssen, sondern
aus dem Gesamtetat zu Lasten der mobilitätsbehinderten Menschen gehen. Da-durch
wird die steuerfinanzierte Mobilität für ca. 20.000 Menschen mit Behind-
erung zu Gunsten der Fahrdienstunternehmer eingeschränkt. Ich sehe das als
eine öffentliche Verschwendung von Steuermitteln, zumal die Fahrzeuge der
Unternehmer steuerfrei fahren.

Der Logik folgend heißt das: immer wenn künftig eine Gehaltserhöhung für die
Fahrer/Beifahrer zum Tragen kommt, wird das eine weitere Mobilitätseinschränk-
ung für Mobilitätsbehinderte geben. Keinesfalls tangiert das den Fuhrunternehmer,
da er dafür finanziell nicht belastet wird.

Meines Erachtens muss der Unternehmer die Mehrkosten stemmen, keinesfalls
die Fahrgäste. Das wäre eine Schraube ohne Ende, zumindest aber unmoralisch.
Ich bitte den Ausschuss für Gesundheit und Soziales des Abgeordnetenhauses von
Berlin im Rahmen einer Anfrage im Plenum um Klärung, ob die zuständige
Senatsverwaltung hier korrekte Verträge gemacht hat.
Mit freundlichen Grüßen



Vielleicht hast ist für die angefügte Datei auch noch Platz U.L. (e-mail von Bärbel an Uschi )
Von: Bärbel Reichelt [mailto:baerbelreichelt@gmx.de]

Wir im Fahrgastbeirat hatten es uns auch so vorgestellt, wie Du, im Protokoll ­ s. Anlage, TOP 2.4 ­
steht ja auch "Mindestlohn von 8,50 wird von WBT und den Fuhrunternehmern gezahlt". Dass
das Geld dafür aus dem Etat des SFD genommen wird, erstaunte uns sehr, war für Herrn Link,
Herrn Ploke und Herrn Hübner aber völlig klar. Die Gewinne der Unternehmer können doch nicht
geschmälert werden...! Sie müssen Rücklagen für neue Autos bilden können...!
Dafür sind die 7,2 Mio. für den SFD doch da....! Und das Angebot des SFD wird doch durch reine
Treppenhilfe erweitert, der Fortbestand des SFD ist gesichert... Was wir nun wieder zu meckern
haben!
20.000 Fahrten im Jahr sind 54,6 Fahrten täglich weniger! So oft werden täglich zusätzlich Fahrten
abgelehnt! Zusätzlich zu denen, die eh schon abgelehnt werden! Aufgrund unseres Aufheulens gab
uns Herr Link die beiden Termine im Abgeordnetenhaus bekannt, siehe TOP 2.14, wir können ja
mal versuchen, mehr Geld für den SFD zu fordern...! (Nun sollen wir wieder die Arbeit machen.)


Herr Link drückte es ähnlich aus, wie Frau Stahmer vor ca. 26 Jahren: Der Kuchen muss für alles
reichen...!

Die 7,2 Mio. wurden in der Tat seit x Jahren eingefroren und nie erhöht. (Weist Du, seit wann es
sie gibt?) Alleine schon durch Inflation und steigenden Spritpreisen wurden sie stetig weniger. Und
nun noch durch Mindestlohn, reine Treppenhilfe und Bonuszahlungen für Einbindungen. Wenn das
so weiter geht, werden bald täglich nicht mehr 350 Fahrten sondern max. 250 Fahrten
durchgeführt...! Die Kürzungen beim Fahrdienst jetzt sind viel hinterlistiger, versteckter und
subtiler, als 1987! Aber nicht minder gravierend!
Kann man das den Spontis vermitteln? Könnten sie dadurch wieder zur Kraft zurück finden, die sie
mal hatten? Das Thema Fahrdienst ist das Ureigenste des Spontanzusammenschlusses Mobilität.
Damals kämpften wir für unseren Telebus. Heute müssten / müssen wir es für den SFD tun! Ob wir
das schaffen können? Oder schrecken erst dann alle aus ihren Kissen hoch, wenn es bereits 13 Tage
vor der gewünschten Fahrt keine Fahrten mehr gibt?!
Jedenfalls sind wir im Fahrgastbeirat an der Misere völlig unschuldig. Uns wurden die Tatsachen
der Ausschreibung vor den Latz geknallt und wir durften sie lediglich zur Kenntnis nehmen. Die
Ausschreibung wurde nicht mit uns erarbeitet. Wir durften Wünsche äußern und
Verbesserungsvorschläge vortragen, aber ob sie aufgenommen wurden oder nicht, konnten wir nicht
beeinflussen. Ich schlug damals eine Ortskundeprüfung für Disponenten vor, da die oft keine
Ahnung haben, wohin sie einen Bus schicken (Lichtenberg und Lichterfelde waren schon mal für
Disponenten fast das Gleiche!) Aber das kam nicht durch.
Und: Die Fahrer beim SFD haben jetzt kaum mehr Geld, als ohne Mindestlohn, denn sie bekommen
ja jetzt weniger Fahrten, stehen noch mehr rum, weil viel weniger Fahrtwünsche angenommen
werden...
Anm. von mir: Einige Zitate sind wohl jetzt doppelt, ich möchte aber im Sinne der
Verfasserinnen keine Kürzungen vornehmen.


Eine weitere mail, die ich hier veröffentliche.


Liebe Freunde,

ich gehöre zu den Behinderten, die einbeinig sind.
Einbeinig vom Sitzen aufzustehen, ohne sich festhalten zu können,
ist unmöglich.
Nur Behinderten-Toiletten haben rechts und links Stützen.
Aber nur manche öffentliche Toiletten (Restaurants, Theater, Bahnhof-WCs u.ä.)
haben das. Der Mensch, der aufstehen will, hangelt und rangelt nach was zum
Festhalten - vielleicht erreicht er die Türklinke, vielleicht den Papierhalter,
der hoffentlich nicht abbricht, einen Mülleimer usw. Kann nicht eine Verordnung
(Gesetz?) erlassen werden,daß eine solche Einrichtung zum Festhalten Pflicht ist
für WCs,die öffentlich genutzt werden?
Beste Grüße, Ursula Püschel,Hohen Neuendorf.
Anm.: Diesem Wunsch kann ich nur zustimmen, denn gehbehinderte und auch ältere
Menschen könnten davon profitieren.

Nun noch einige Impressionen vom Plenum im Juni, bei dem wir eine große Runde waren
und an frischer Luft diskutierten und den leckeren Imbiss von den ,,Hausgeistern
zubereitet", genossen haben.

Im Hofgarten im Juni 2013